Das Online-Maga­zin braunschweig-spiegel.de über­sand­te einen Fra­gen­ka­ta­log zum The­ma Büro­flä­chen und expli­zit zur beschlos­se­nen Anmie­tung des zukünf­ti­gen Bra­Wo­Park Busi­ness Cen­ter III (BCIII) durch die Stadt Braun­schweig. Hin­ter­grund: Der Ver­wal­tungs­bau am Bohl­weg muss drin­gend saniert, der Brand­schutz ertüch­tigt wer­den. Dazu benö­tigt die Stadt Aus­weich­flä­chen. Außer­dem sol­len Ver­wal­tungs­stand­or­te zusam­men­ge­zo­gen wer­den. [1]

Es ant­wor­tet der finanz- und pla­nungs­po­li­ti­sche Spre­cher Chri­sti­an Bley von DIE FRAKTION P²:

1. Wie ste­hen Sie zu der Kri­tik, dass der ver­ein­bar­te Preis von 14 Euro / qm deut­lich über­höht sei ange­sichts eines der­zei­ti­gen Markt­prei­ses von etwa 9 Euro / qm?

    Man kann nicht der­zei­ti­ge Markt­prei­se mit der Situa­ti­on zur Zeit der Beschluss­fas­sung ver­glei­chen. [1]
    Im Dezem­ber 2019 gab es weder freie Büro­flä­chen (unter 2%), noch Grund­stücke in der Grö­ßen­ord­nung und der Lage. Auch war zu die­sem Zeit­punkt nicht damit zu rech­nen, dass sich die­ses in naher Zukunft ändern wird. Coro­na und Home­of­fice waren im Dezem­ber 2019 auch noch kei­ne The­men, wel­che mög­li­cher­wei­se die Miet­prei­se beein­flus­sen. In 2019 betrug bei Neu­ver­mie­tun­gen die Durch­schnitts­mie­te 9,50 EUR/qm. Tat­säch­lich wur­den Höchst­wer­te von bis zu 18,00 €/m² erzielt, auch groß­teils wegen des feh­len­den Ange­bo­tes. [2] Fol­ge­rich­tig wur­de mit wei­te­ren Miet­preis­stei­ge­run­gen gerech­net – vor allem da der BCIII-Tower frü­he­stens in 2022 fer­tig gestellt wer­den würde.

2. Für die Volks­bank BRAWO erge­ben sich aus dem lang­jäh­ri­gen Miet­ver­trag erheb­li­che Vor­tei­le: mit der Stadt als jeder­zeit sol­ven­tem Mie­ter ent­fällt jeg­li­ches Risi­ko der Ver­mie­tung, die anfal­len­den Ver­wal­tungs­ko­sten sind äußerst nied­rig und die Eigen­ka­pi­tal­be­wer­tung ver­bes­sert sich. Wur­den die­se Vor­tei­le bei der Preis­ge­stal­tung Ihrer
Ansicht nach aus­rei­chend beachtet?

    Bedacht wur­den unse­rer­seits vor allem die Vor­tei­le eines Neu­baus für die Stadt: Wich­tig war die sehr gute Anbin­dung an ÖPNV und Bahn­hof, die not­wen­di­ge Grö­ße des Stand­or­tes, die aus­rei­chen­de Distanz zum Innen­stadt-Rat­haus für die not­wen­di­gen red­un­dan­ten Instan­zen der IT-Syste­me sowie der not­wen­di­ge Schutz vor Strom­aus­fall, Hoch­was­ser und Feu­er. Die Zuver­läs­sig­keit der Ver­wal­tung Braun­schweigs muss jeder­zeit gege­ben sein. Am Stand­ort BCIII sind die­se Not­wen­dig­kei­ten gege­ben bzw. umsetz­bar. In die­ser expo­nier­ten Lage ist das Tech­ni­sche Rat­haus bereits von Anfang an für Mit­ar­bei­ten­de, Besu­cher und Gäste glei­cher­ma­ßen gut und kli­ma­scho­nend erreich­bar – ein Punkt, der nicht außer Acht gelas­sen wer­den darf. Das alles weiß auch ein Ver­mie­ter – wir wis­sen aller­dings nicht, ob der Miet­preis vor den Ver­hand­lun­gen nicht viel­leicht höher lag.

3. Die Stadt hat zusätz­lich einen Bau­ko­sten-Zuschuss von 2 Mil­lio­nen Euro zuge­sagt. Hal­ten Sie das ange­sichts der lang­fri­sti­gen Bin­dung für gerechtfertigt?

    Extras kosten extra. Und es geht hier nicht um dop­pelt Oli­ven auf einer Piz­za, son­dern zum Einen um zwin­gend not­wen­di­ge, sicher­heits­re­le­van­te Bau­aus­füh­run­gen, die nicht nur 2 son­dern 20 Jah­re und mehr hal­ten müs­sen. Außer­dem wird es end­lich eine behin­der­ten­ge­rech­te Toi­let­te für Alle inklu­si­ve Pfle­ge­lie­ge im Gebäu­de geben – ein Teil­ha­be-Pro­jekt, wel­ches mit dem Haus­halt 2018 beschlos­sen wur­de und seit­dem auf Umset­zung wartet.

4.Wie ste­hen Sie zu dem Argu­ment, dass gera­de nach der Coro­na-Pan­de­mie in Zukunft erheb­li­che preis­dämp­fen­de Effek­te auf dem Büro­flä­chen­markt zu erwar­ten sind? Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die stark gestie­ge­ne Nut­zung von „Homeoffice“-Regelungen?

    Sin­ken­de Prei­se wegen sin­ken­dem Bedarf an Büro­flä­chen durch Home­of­fice hal­te ich zwar für mög­lich, kurz­fri­stig jedoch nicht für sehr wahr­schein­lich – schon wegen der lang­fri­sti­gen Miet­ver­trä­ge. Zwar sehe ich den Wunsch zur Abkehr von der Prä­sen­z­ar­beit hin zum pro­fes­sio­nel­len Home­of­fice – aller­dings tun sich Arbeit­ge­ber- sowie Arbeit­neh­mer­sei­ten schwer damit – ent­we­der geht es nicht oder es ist nicht gewollt. Und das, was zur Zeit an den Küchen- und Ess­zim­mer­ti­schen tat­säch­lich statt­fin­det ist kein Home­of­fice – son­dern pro­vi­so­ri­sches Arbei­ten von zu Hau­se aus inkl. Kinderbetreuung.

    Soll­ten tat­säch­lich Büro­flä­chen in grö­ße­rem Maße in Post­co­ro­na-Zei­ten frei ste­hen – aus wel­chen Grün­den auch immer – gibt es diver­se gewerb­li­che Nach- oder Umnut­zungs­mög­lich­kei­ten, zum Bei­spiel für Bil­dungs- oder Gesund­heits­ein­rich­tun­gen, Lie­fer- und Logi­stik­de­pots der letz­ten Mei­le oder die Umnut­zung zu Wohn­zwecken. Vor allem in Zen­trums­la­ge wären die­se Flä­chen für Mie­ter sehr inter­es­sant. Von daher sehe ich hier nur sehr wenig preis­dämp­fen­de Effekte.

5. Wie hat sich ihre Frak­ti­on bei der Abstim­mung des Rates entschieden?

    DIE FRAKTION P² hat zugestimmt.

Quel­len:
[1] https://ratsinfo.braunschweig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1014936
[2] https://www.immobilien-regioker.de/forms/BueromarktberichtBS2019.pdf S.4 ff