Gesellschaft

Selbst­be­stimm­te Feiertage

Heu­te ist der 21. Dezem­ber, der Tag der Win­ter­son­nen­wen­de – tra­di­tio­nell ein Tag zum Fei­ern, obschon er nach und nach vom heu­ti­gen christ­li­chen Weih­nachts­fest ver­drängt wor­den ist. Der oft nicht selbst gewähl­ten vor­weih­nacht­li­chen Hek­tik – trotz der Home-Office-Frei­hei­ten und der staat­lich garan­tier­ten frei­en Tage – möch­ten wir PIRATEN mit Ver­stand begegnen.

Obwohl das Weih­nachts­fest und der Ste­phans­tag als reli­giö­se Fei­er­ta­ge in all unse­ren Kalen­dern gekenn­zeich­net sind, leben wir in einer welt­of­fe­nen, plu­ra­li­sti­schen Gesell­schaft mit unter­schied­lich­sten Glau­bens­rich­tun­gen sowie Nicht­gläu­bi­gen. Ein welt­an­schau­lich neu­tra­ler Staat[1]Art. 4 GG soll­te die­se Gesell­schaft abbil­den. Obwohl Reli­gi­ons­frei­heit auf dem Papier garan­tiert ist, besteht für Ange­hö­ri­ge der mei­sten Kon­fes­sio­nen kei­ne Mög­lich­keit, anstel­le der christ­li­chen Fei­er­ta­ge ihre eige­nen Fei­er­ta­ge an den dafür vor­ge­se­he­nen Tagen zu fei­ern, ohne dafür auf das Ver­ständ­nis von Arbeit­ge­bern und Mit­men­schen hof­fen zu müssen.

Wir set­zen uns daher dafür ein, die Fei­er­tags­re­ge­lung so umzu­ge­stal­ten, dass jeder Bür­ger die Chan­ce bekommt, sei­ne Welt­an­schau­ung frei aus­zu­le­ben. An die Stel­le der staat­li­chen Bevor­zu­gung der tra­di­tio­nel­len christ­li­chen Kir­chen soll­ten per­sön­li­che Fei­er­ta­ge tre­ten; statt der bis­her vor­ge­schrie­be­nen gesetz­li­chen Fei­er­ta­ge soll­te es die Mög­lich­keit geben, die Feste sei­ner eige­nen Welt­an­schau­ung fei­ern zu kön­nen, ohne sich auch nach den Festen ande­rer Reli­gio­nen rich­ten zu müssen.

Auch das seit 1933 unver­än­dert gül­ti­ge „Reichs­kon­kor­dat“ sehen wir als nicht mehr zeit­ge­mäß an. Ein säku­la­rer Staat erfor­dert die strik­te Tren­nung von reli­giö­sen und staat­li­chen Belan­gen; finan­zi­el­le und struk­tu­rel­le Pri­vi­le­gi­en ein­zel­ner Glau­bens­ge­mein­schaf­ten, etwa im Rah­men finan­zi­el­ler Ali­men­tie­rung, bei der Über­tra­gung von Auf­ga­ben in staat­li­chen Insti­tu­tio­nen und beim Betrieb von sozia­len Ein­rich­tun­gen, sind höchst frag­wür­dig und daher abzu­bau­en. Im Sin­ne der Daten­spar­sam­keit ist die Erfas­sung der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit durch staat­li­che Stel­len auf­zu­he­ben, ein staat­li­cher Ein­zug von Kir­chen­bei­trä­gen kann nicht gerecht­fer­tigt werden.

Wir wün­schen allen ein paar ruhi­ge Tage, eine klei­ne Wei­le zum Aus­span­nen und Luft­ho­len sowie einen guten Start ins neue Jahr.

Ein­zel­nach­wei­se